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Rahmenbedingungen
Die Beschäftigung mit dem Islam und der muslimischen Welt an den deutschen Hochschulen muss sich heute nicht nur mit einer veränderten Perspektive als Teil einer interdisziplinären Kulturwissenschaft auseinandersetzen. Ihr wächst durch die Entstehung von Minderheitengesellschaften in Europa auch eine spezifische Bedeutung im Rahmen des Dialogs der Kulturen innerhalb unserer Gesellschaft zu.
In der Bestandsaufnahme der Orientforschung von 1999, betonten deshalb Vertreter der beteiligten Fächer die besondere Förderungswürdigkeit des Faches und der sie tragenden Institute. Die Bundesrepublik Deutschland könne es sich nicht leisten, auf eine breite "Fernkompetenz" zu verzichten, wie sie in einer hochspezialisierten Disziplin wie der Islamwissenschaft zum Tragen komme.
Angesichts anhaltender Kommunikationshemmnisse zwischen westlichen und islamischen Gesellschaften als auch innerhalb ihrer Grenzen - der 11. September 2001 war auch hier eine Zäsur - ist in den letzten Jahren spürbar geworden, dass Orientwissenschaftler keineswegs nur akademische, sondern auch öffentliche Aufgaben wahrnehmen. Das zeigt sich insbesondere daran, dass wissenschaftliche Analysen und Stellungnahmen zunehmend dazu beitragen, eine differenzierte Wahrnehmung des Islam und der islamisch geprägten Gesellschaften in der Öffentlichkeit zu fördern.
Die Islam- und Orientwissenschaft in Deutschland bewegt sich ohne Zweifel auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau. In vielen Bereichen wie beispielsweise der Linguistik, der Kultur- und Religionsgeschichte genießen deutsche Forschungsbeiträge nicht zuletzt in der islamischen Welt hohes Ansehen. Das findet seinen Ausdruck in einer Vielzahl von Forschungsprojekten mit ausländischen Partnerinstitutionen - das Berliner Wissenschaftskolleg ist einer der Motoren dieser Entwicklung -, in Übersetzungen von wichtigen Publikationen, in der Berufung von deutschen Fachvertretern auf angesehene Stellen im Ausland, nicht zuletzt auch in der relativ hohen Zahl von Studenten oder Doktoranden aus der islamischen Welt an deutschen Hochschulen. Außerdem unterhalten viele deutsche Hochschulen Partnerbeziehungen zu Universitäten insbesondere im Nahen und Mittleren Osten. Auf dieser Basis findet ein regelmäßiger Austausch von Studenten und Wissenschaftlern statt.
Erfahrungen verdeutlichen, dass eine gezielte Bündelung von Forschungs- und Ausbildungspotentialen mit dem Ziel effektiver fachübergreifender und internationaler Zusammenarbeit zumindest an ausgewählten Einrichtungen zukunftsweisend ist.
Das Interesse von Wissenschaftlern und Wissenschaftspolitikern muss darauf gerichtet sein, bestehende und im Aufbau befindliche Institutionen für innovative Formen der Forschung und Forschungszusammenarbeit nutzbar zu machen und für interdisziplinäre Programme längerfristig zu nutzen.
(ER)
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Literaturhinweise
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